Warum heißt der Berliner Berliner?
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«Berliner» ist die Kurzform von «Berliner Pfannkuchen», eine Herkunftsbezeichnung nach der Stadt Berlin. Als Rezeptname ist «Berliner Pfannkuchen» 1847 bei Henriette Davidis belegt. Warum das Gebäck nach Berlin benannt wurde, ist nicht überliefert. Die Geschichte vom Berliner Zuckerbäcker, der um 1756 als Feldbäcker Friedrichs des Großen Teigkugeln in Fett buk, ist eine Legende.
Quelle: Atlas zur deutschen Alltagssprache: Berliner/Krapfen und weitere unten
Woher kommt der Name Berliner?
«Berliner» ist eine Abkürzung von «Berliner Pfannkuchen». So erklären es der Atlas zur deutschen Alltagssprache und die Gesellschaft für deutsche Sprache. Der Name ist also eine Herkunftsbezeichnung, die das Gebäck mit der Stadt Berlin verbindet. Als Rezepttitel taucht «Berliner Pfannkuchen» 1847 im Kochbuch von Henriette Davidis auf. Ein Berliner Kochbuch von 1796 spricht noch von «Guten Pfannkuchen». Warum Davidis den Zusatz «Berliner» wählte, ist nicht überliefert. Der Brotkultur-Autor Albert Spycher hält eine plausible Erklärung für nicht greifbar.
Was erzählt die Legende vom Berliner Zuckerbäcker?
Die bekannte Geschichte über den Ursprung des Berliners ist eine Legende und kein belegter Fakt. Sie erzählt von einem Berliner Zuckerbäcker, der unter Friedrich dem Großen Kanonier werden wollte. Weil er nicht wehrtauglich war, soll er als Feldbäcker gedient haben. Dort habe er Teigkugeln in Form von Kanonenkugeln über offenem Feuer in heißem Fett ausgebacken. Die Erzählungen nennen dafür unterschiedliche Jahre: deutschland.de spricht von 1756, das österreichische Landwirtschaftsministerium von 1750. Einen Beleg für die Geschichte nennt keine der beiden Stellen.
Auch Österreich kennt eine solche Legende. Die Wiener Zuckerbäckerin Cäcilie Krapf soll 1690 im Zorn ein Stück Teig nach ihrem Lehrbuben geworfen haben, das im heißen Fett landete. Das Landwirtschaftsministerium in Wien führt diese Geschichte ebenfalls ausdrücklich als Legende.
Wie heißt das Gebäck in welcher Region?
Dasselbe Hefegebäck trägt im deutschen Sprachraum mehrere Namen. Die Tabelle fasst zusammen, was der Atlas zur deutschen Alltagssprache und die Gesellschaft für deutsche Sprache für die einzelnen Regionen angeben.
| Name | Wo gebräuchlich |
|---|---|
| Pfannkuchen | Berlin und fast ganz Ostdeutschland |
| Berliner | übriges Westdeutschland, etwa Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg, sowie die Schweiz |
| Krapfen | Bayern, Österreich, Liechtenstein |
| Faschingskrapfen | Österreich, besonders Tirol, und Teile Südbayerns |
| Kräppel (auch Kreppel geschrieben) | Hessen und weitere Teile Mitteldeutschlands |
| Berliner Ballen, Berlinerball | Ruhrgebiet (laut Atlas zur deutschen Alltagssprache in neueren Umfragen nicht mehr gemeldet) |
| Fastnachtsküchle, Fastnachtsküchelchen | Teile Baden-Württembergs, der Pfalz und des Saarlands (ältere Karte von 1977, in neueren Umfragen nicht mehr gemeldet) |
Im Westen und Süden Deutschlands meint «Pfannkuchen» etwas anderes: einen flachen Teigfladen aus der Pfanne, den man im Osten Eierkuchen nennt. Der Duden führt «Kräppel» und «Kreppel» als mitteldeutsch, «Faschingskrapfen» als österreichisch. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hält die Schreibung «Kreppel» für eigentlich falsch, weil das Wort eine Verkleinerung von «Krapfen» ist. Nach einer Umfrage des Sprachforschers Jürgen Eichhoff gibt es 10 Hauptbezeichnungen und 18 seltenere Varianten.
Woher kommen die Wörter Krapfen und Pfannkuchen?
«Krapfen» geht auf althochdeutsch «krāpho» zurück, das «Haken, Kralle, Klaue» bedeutet. Mittelhochdeutsch «krāpfe» bezeichnete ein hakenförmiges Gebäck, verwandt sind «Krampe» und «Krampf». Die frühen Krapfen hatten also vermutlich eine gebogene Form. Ein schwäbisches Rezept aus dem 15. Jahrhundert kennt noch hufeisenförmige «krumme Krapfen». «Pfannkuchen» ist laut Spycher bereits im 9. Jahrhundert als althochdeutsch «phann-kuohho» belegt, also als Kuchen aus der Pfanne.
Wie sieht der Krapfen in Österreich aus?
Der klassische österreichische Faschingskrapfen ist mit Marillenmarmelade gefüllt und mit Staubzucker bestreut. Das Österreichische Lebensmittelbuch sieht für Krapfen eine Füllung mit Marillenkonfitüre oder Marillenfruchtfülle vor. Andere Füllungen müssen benannt werden, etwa «Erdbeerkrapfen». Der Anteil der Füllung beträgt mindestens 15 Prozent des Fertiggewichts. In Wien entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert ein regelrechter Krapfenkult. Ab 1786 warb die «Wiener Zeitung» in ihrer Faschingsrubrik regelmäßig für Faschingskrapfen.
Was ist mit Kennedys Satz «Ich bin ein Berliner»?
John F. Kennedy sagte den Satz am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in West-Berlin. Er hat sich damit nicht als Gebäck bezeichnet. Der Satz ist grammatisch korrekt, und in Berlin hieß das Gebäck ohnehin Pfannkuchen. Die Geschichte vom «Jelly Doughnut» verbreitete sich nach Recherchen des Smithsonian Magazine erst ab 1988 über einen Leserbrief in Newsweek und einen Beitrag in der New York Times.
Häufige Fragen dazu
Wie heißt der Berliner in Berlin?
In Berlin und fast ganz Ostdeutschland heißt das Gebäck Pfannkuchen. Den Namen «Berliner» verwendet man vor allem im übrigen Westdeutschland.
Wie heißt der Berliner in Österreich und in der Schweiz?
In Österreich sagt man Krapfen, zur Faschingszeit auch Faschingskrapfen, der klassisch mit Marillenmarmelade gefüllt ist. In der Schweiz heißt das Gebäck wie im Westen Deutschlands Berliner.
Warum isst man Berliner an Silvester und Fasching?
Zu Fasching geht der Brauch auf Geistliche zurück, die vor der Fastenzeit nahrhafte Krapfen empfahlen, so das österreichische Landwirtschaftsministerium. Für Silvester ist laut Stuttgarter Zeitung kein sicherer Grund bekannt; wahrscheinlich waren Berliner vor 1900 vielerorts Festtagsgebäck. Mancherorts mischt man zum Scherz einzelne Exemplare mit Senffüllung darunter.
Was ist der Unterschied zwischen Berliner und Krapfen?
Gemeint ist dasselbe runde, in Fett gebackene Hefegebäck mit Füllung; der Unterschied liegt im regionalen Namen. In Österreich ist der Krapfen nach dem Lebensmittelbuch standardmäßig mit Marille gefüllt, andere Füllungen müssen benannt werden.
Quellen
- Atlas zur deutschen Alltagssprache: Berliner/Krapfen , abgerufen am 31.10.2026
- Gesellschaft für deutsche Sprache: Dialektwörter Berliner, Kräppel, Krapfen , abgerufen am 31.10.2026
- Duden: Krapfen (Bedeutung und Herkunft) , abgerufen am 31.10.2026
- Duden: Synonyme zu Berliner Pfannkuchen , abgerufen am 31.10.2026
- BMLUK Österreich: Traditionelle Lebensmittel, Krapfen , abgerufen am 31.10.2026
- Albert Spycher, panissimo/swissbaker: Berlinerpfannkuchen (Brauchtum) , abgerufen am 31.10.2026
- deutschland.de: Ick bin ein Berliner (Legende 1756, regionale Namen) , abgerufen am 31.10.2026
- Berlin.de: Rede John F. Kennedy am Rathaus Schöneberg , abgerufen am 31.10.2026
- Presse (ergänzend): Smithsonian Magazine, Why Does Everybody Think JFK Said 'I'm a Jelly Donut'? , abgerufen am 31.10.2026
- Presse (ergänzend): Stuttgarter Zeitung, Warum isst man Berliner zu Silvester? (28.12.2022) , abgerufen am 31.10.2026
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