Was ist der Unterschied zwischen Offerte und Kostenvoranschlag?
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Eine Offerte mit genau bestimmtem Preis ist ein verbindlicher Fixpreis: Der Handwerker darf keine Erhöhung verlangen (Art. 373 OR). Ein Kostenvoranschlag ist ein ungefährer Ansatz. Überschreitet die Rechnung ihn unverhältnismässig, darfst du vom Vertrag zurücktreten (Art. 375 OR). Als Faustregel gelten 10 bis 15 Prozent Abweichung je nach Branche noch als zumutbar.
Quelle: Obligationenrecht (OR), Art. 373 bis 375 Vergütung beim Werkvertrag (Fedlex) und weitere unten
Was ist eine Offerte?
Eine Offerte ist rechtlich ein Antrag zum Abschluss eines Vertrags. Wer eine Offerte mit Annahmefrist stellt, bleibt bis zum Ablauf dieser Frist daran gebunden (Art. 3 Abs. 1 OR). Nimmst du sie rechtzeitig an, kommt der Vertrag zustande. Bei Handwerkerarbeiten ist das in der Regel ein Werkvertrag nach Art. 363 ff. OR.
Für Offerten gibt es keine Formvorschrift. Auch eine mündliche Offerte ist gültig. Später lässt sich aber schwer beweisen, was vereinbart war. Eine schriftliche Offerte schafft Klarheit.
Was ist ein Kostenvoranschlag?
Ein Kostenvoranschlag ist eine Schätzung, im Gesetz «ungefährer Ansatz» genannt. Typische Hinweise sind Formulierungen wie «zirka», «ungefähr» oder «Richtpreis». Der Handwerker rechnet am Schluss nach effektivem Aufwand ab. Ist der Preis zum Voraus gar nicht oder nur ungefähr bestimmt, wird er nach dem Wert der Arbeit und den Aufwendungen des Unternehmers festgesetzt (Art. 374 OR).
Im Schweizer Alltag werden beide Begriffe oft vermischt. Entscheidend ist nicht die Überschrift auf dem Papier, sondern ob der Preis genau oder nur ungefähr bestimmt ist.
Welche Unterschiede zählen bei der Rechnung?
Die Tabelle zeigt die Regeln des Obligationenrechts im Vergleich:
| Offerte mit Fixpreis | Kostenvoranschlag | |
|---|---|---|
| Preis | zum Voraus genau bestimmt | ungefähr bestimmt |
| Mehrkosten | keine Erhöhung, auch bei mehr Arbeit (Art. 373 Abs. 1 OR) | Abrechnung nach Aufwand (Art. 374 OR) |
| Weniger Aufwand | du zahlst trotzdem den vollen Preis (Art. 373 Abs. 3 OR) | du zahlst den tieferen Aufwand |
| Starke Überschreitung | nur bei ausserordentlichen, unvorhersehbaren Umständen, Entscheid durch das Gericht (Art. 373 Abs. 2 OR) | Rücktritt vom Vertrag möglich (Art. 375 Abs. 1 OR) |
Wie viel darf ein Kostenvoranschlag überschritten werden?
Eine feste Prozentzahl nennt das Gesetz nicht. Art. 375 OR spricht von einer «unverhältnismässigen» Überschreitung ohne dein Zutun. Als Faustregel aus der Praxis nennt SRF Kassensturz eine zumutbare Abweichung von 10 bis 15 Prozent, je nach Branche. Bei Zahnärzten gelten laut derselben Quelle 15 Prozent.
Wird die Schätzung unverhältnismässig überschritten, kannst du während und nach der Ausführung vom Vertrag zurücktreten. Bei Bauten auf deinem eigenen Grundstück kannst du stattdessen eine angemessene Herabsetzung des Lohns verlangen. Ist die Baute noch nicht fertig, kannst du dem Unternehmer gegen billigen Ersatz der geleisteten Arbeit die Fortführung entziehen (Art. 375 Abs. 2 OR).
Was tun, wenn die Rechnung höher ausfällt?
Merkt der Handwerker während der Arbeit, dass sein Preis zu tief war, muss er dich sofort informieren. Arbeitet er ohne Rückmeldung weiter, musst du die Mehrkosten laut SRF Kassensturz nicht einfach akzeptieren. Hat er sich Mehrkosten in der Offerte ausdrücklich und schriftlich vorbehalten, sieht die Lage anders aus.
Lass dir Offerten schriftlich geben, mit Leistungsbeschrieb, Preis und Annahmefrist. Bei einem Streit um eine hohe Summe hilft eine Rechtsberatung, zum Beispiel bei einer Konsumentenorganisation oder einer Anwältin für Vertragsrecht.
Häufige Fragen dazu
Ist eine Offerte in der Schweiz gratis?
Meistens ja. Ist die Offerte mit grösserem Aufwand verbunden, etwa Reisezeit, Berechnungen oder Pläne, darf der Handwerker diese Arbeit verrechnen. In der Praxis wird der Betrag bei einer Auftragserteilung oft angerechnet (SRF Kassensturz).
Wie lange ist eine Offerte gültig?
So lange wie die Annahmefrist, die darin steht (Art. 3 OR). Fehlt eine Frist, bleibt der Handwerker bei einer Offerte per Post oder E-Mail nur so lange gebunden, bis er bei normaler Postlaufzeit mit deiner Antwort rechnen darf (Art. 5 OR).
Ist die Mehrwertsteuer in der Offerte inbegriffen?
Wenn die Offerte die Mehrwertsteuer nicht ausdrücklich ausweist, darfst du davon ausgehen, dass sie im Preis enthalten ist (SRF Kassensturz).
Was bedeutet «unverbindliche Offerte»?
Mit einem solchen Vorbehalt ist der Anbieter nicht an seinen Antrag gebunden (Art. 7 Abs. 1 OR). Der Preis wird dann nach dem Wert der Arbeit und der Aufwendungen bestimmt (Art. 374 OR).
Quellen
- Obligationenrecht (OR), Art. 373 bis 375 Vergütung beim Werkvertrag (Fedlex) , abgerufen am 30.10.2026
- Obligationenrecht (OR), Art. 3 bis 7 Antrag und Annahme (Fedlex) , abgerufen am 30.10.2026
- SRF Kassensturz Espresso: Darf der Handwerker mehr verlangen, als in der Offerte steht? , abgerufen am 30.10.2026
- SRF Kassensturz Espresso: Darf die Rechnung höher sein als die Offerte? , abgerufen am 30.10.2026
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